Warum Basics im Dummytraining wichtig sind...

Jennifer Holst • 20. Mai 2026

.. und warum es ohne nicht geht

Neulich fragte mich eine Kundin im Training: „Warum bietet eigentlich kein Dummytrainer den sauberen Aufbau der Basics an, so wie du?“

Meine Antwort im ersten Moment: „Ich kann es dir nicht sagen.“

Und sie ist nicht die Erste. Immer wieder finden Kunden den Weg zu mir, weil sie in ihren bestehenden Trainingsstrukturen kaum Unterstützung beim Aufbau oder Problemen in den Grundlagen erhalten. Es wird von den Teilnehmern erwartet, diese Fähigkeiten im Vorfeld eigenständig zu erarbeiten, um am eigentlichen Training teilnehmen zu können.

Aus meiner Sicht greift dieser Ansatz zu kurz, da eine strukturierte Vermittlung der Basis für jedes fundierte Dummytraining unerlässlich ist:


Die bloße Durchführung von Gruppenstunden unterscheidet sich grundlegend von einer präzisen Anleitung, bei der Halter die einzelnen Bausteine kleinschrittig mit ihrem Hund erarbeiten. Während ein reines Gruppenangebot oft ohne individuelle Trainingspläne oder konkrete Hausaufgaben auskommt, macht eine umfassende Betreuung – inklusive individueller Lösungswege bei Umsetzungsschwierigkeiten – den entscheidenden Qualitätsunterschied aus.

Das Fundament ist keine lästige Pflichtaufgabe, sondern das entscheidende Fundament für alle späteren Anforderungen. Grundlagenarbeit ist nicht die Vorstufe zum Dummytraining. Sie ist Dummytraining.


Der Blick zurück und die eigene Lernkurve

Ich muss diese Antwort an die Kundin an dieser Stelle ein wenig relativieren. Selbstverständlich gibt es Kolleginnen und Kollegen, die sich intensiv dem Grundlagenaufbau widmen – allerdings oft mit entsprechendem Anfahrtsweg.

Ich erinnere mich noch gut an meine Anfänge, als mir das tiefere Verständnis für diesen Bereich fehlte und ich lange nach einer fundierten Begleitung suchen musste. Auch ich erhielt damals von verschiedenen Trainern den Hinweis, die Grundlagen anderweitig aufzubauen, da sie diese nicht im Programm hatten. Ohne Vorkenntnisse stand ich damit vor einer fast unlösbaren Herausforderung.

Fündig wurde ich schließlich bei einer Kollegin, zu der ich alle 14 Tage eine zweistündige Fahrt pro Strecke auf mich nahm. Sie zeigte mir von der Pike auf, wie man Elemente wie die Grundposition, Drehungen und eine saubere Fußarbeit kleinschrittig aufbaut. (An dieser Stelle noch einmal ein riesiges Dankeschön an dich, liebe Katja!) Durch meine eigenen Aus- und Fortbildungen habe ich dieses Fundament seither kontinuierlich ausgebaut, neue Techniken integriert und fundierte Lösungsansätze für Problemstellungen entwickelt.


Grundlagenarbeit in der Praxis

Inzwischen widme ich mich dem Thema Grundlagen proaktiv: in Form von Seminaren beim DRC, Workshops in meiner eigenen Hundeschule und im Einzeltraining. Auch im regulären Gruppentraining greife ich die Basics immer wieder auf, flechte sie bewusst ein und begleite die Teams eng bei der Korrektur.


Warum mir das so wichtig ist? Ohne ein stabiles Fundament ist ein nachhaltiger Leistungsaufbau – egal ob in der Anfänger-, Fortgeschrittenen- oder Offenen Klasse – kaum realisierbar.

Unsere Retriever bringen die genetischen Anlagen für die Kooperation, die Arbeit im Gelände und das Apportieren von Natur aus mit. Dennoch müssen alle Kompetenzen für eine souveräne und belastbare Zusammenarbeit zu Beginn sauber erarbeitet werden – lange bevor komplexe Gruppenarbeiten, fliegende Dummys oder anspruchsvolle Wasseraufgaben hinzukommen.


Die Formel ist einfach: Kann der Hund diese Grundlagen nicht einmal in einer reizarmen Umgebung sicher und routiniert abrufen, wird ihm dies unter Ablenkung erst recht nicht gelingen.


Begeisterung für die Basics

Ich gebe zu: Ich schätze die Arbeit an den Grundlagen sehr. Saubere Fußarbeit und Impulskontrolle empfinde ich als bereichernd und abwechslungsreich.

Ich erlebe jedoch häufig, dass Hundehalter diese Phase als zähe Fleißarbeit wahrnehmen. Das ist verständlich, denn ohne einen klaren Leitfaden und sichtbare Erfolge bleibt die Motivation oft aus. Wenn jedoch klar ist, wie man diese Elemente effektiv und kleinschrittig aufbaut, wird das Arbeiten und Zusammenfügen einzelner Bausteinn zu einem verlässlichen Ablauf. So entsteht ein Fundament, auf das man sich selbst unter dem Druck von Prüfungen oder Wettkämpfen verlassen kann.


Dass sich dieser strukturierte Weg auszahlt, durfte ich kürzlich wieder erleben:

Eine Kundin, die lange Zeit große Schwierigkeiten mit der Fußarbeit hatte und dem Thema skeptisch gegenüberstand, kam nach einigen Wochen gemeinsamen Trainings strahlend auf mich zu: „Eigentlich fand ich Fußarbeit immer ganz furchtbar. Aber ich muss ehrlich gestehen: Das macht inzwischen richtig Spaß!“ Wenig später durfte ich beim internen Workingtest als Helfer beobachten, wie die beiden als harmonisches Team eine sehr saubere Fußarbeit auf den Platz zauberten.


Solche Momente bestätigen mich immer wieder darin, wie wichtig es ist, die Grundlagen kontinuierlich im Blick zu behalten und die Teams auf diesem Weg bestmöglich zu begleiten.